Als habe man es mit einer echten Raumschiff-Werft zu tun: wer am vergangenen Wochenende den Förderturm in Bönen besucht hat, kam an einem ganz besonderen Spektakel nicht vorbei: In der Schachthalle entstand unter Mitarbeit von 24 Kindern und Jugendlichen aus Bönen und der Umgebung im Alter von 7-14 Jahren die Kulisse des „Raumschiffes der Zukunft“, eines interaktiven, mobilen Lern- und Erlebnisortes. Das Projekt, das vom U.S.S. Vision e.V. aus Münster Anfang des Jahres ins Leben gerufen wurde, hatte die Förderung von Gestaltungskompetenz und zukunftsorientierter Nutzung von Räumen zum Ziel und gab Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, selbst in die Rolle von Technikern, Medizinern und Wissenschaftlern zu schlüpfen.
Bönen. Seit mittlerweile drei Jahren setzt sich der U.S.S. Vision e.V. in Bönen für Kinder- und Jugendförderung ein. Oft kam hierbei bei Projekt- und Aktionstagen bereits die interaktive Lernumgebung VisionVersum zum Einsatz, innerhalb derer Kinder und Jugendliche gemeinsam mit den pädagogischen Betreuern des Vereins spannende Abenteuer zu alltagsnahen, aber auch zukunfts- und berufsorientierten Themen erleben können. Da bislang oftmals herkömmliche Räume wie zum Beispiel im Bönener Treffpunkt Go-in hierfür zum Einsatz kamen, stellten die Kinder- und Jugendlichen häufiger die Frage, wie es eigentlich auf einem Raumschiff in der Zukunft aussehen würde. Aus dieser Idee erwuchs der Plan, für kommende Veranstaltungen eine immersive Lernumgebung zu haben, die wirklich den Anschein eines Raumschiffes erwecken würde.
In einer Konzeptionierungsphase im März konnten Kinder und Jugendlichen ihre Ideen zu Themen wie der nachhaltigen Raumnutzung oder der Rolle von Gesundheitsförderung in selbstgestalteten ersten Konzepten und Prototypen darstellen, die im Anschluss von einem Team aus Ingenieuren und Technikern aus dem U.S.S. Vision e.V. adaptiert und zu einem Gesamtkonzept zusammengesetzt wurden.
„Uns war bei der Konzeptionierung besonders wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen im späteren Lernort gut als Team zusammenarbeiten können, somit haben wir aus ihren Ideen Designs erarbeitet, die Kommunikation ermöglichen und bei denen sich die Kinder gegenseitig auch gut sehen können“, beschreibt Claus Schwientek den Prozess, der den Verein durch die Monate April, Mai uns Juni bei zahlreichen Meetings begleitet hat. Der aus München stammende Ingenieur gehört dem U.S.S. Vision e.V. seit seiner Gründung an und hat seither knapp 7000 Stunden in die Programmierung und Ausgestaltung des VisionVersums investiert. Gemeinsam mit Benjamin Becker aus Unna-Lünern und dem Metalldesigner Nils Zühlke aus Rheda-Wiedenbrück koordinierte er die Gestaltung der Raumschiffkulisse, bei der auch die Kinder und Jugendlichen eine wichtige Rolle spielen würden.
Dank einer großzügigen Förderung durch die Landesarbeitsgemeinschaft Kunst und Medien NRW aus Dortmund war es möglich, den jungen Teilnehmenden für ein finales Gestaltungswochenende eine breite Auswahl an Materialien zur Verfügung zu stellen, mit denen diese nicht nur interaktive Tischkonsolen zur Steuerung des VisionVersums umsetzen konnten, sondern auch die Kulisse durch Stellwände, Experimentierstationen und beleuchtete Applikationen aktiv mitzugestalten. Mit der Unterstützung des Fördervereins der Zeche Königsborn II/IV konnte der Verein für das abschließende Projektwochenende auch eine würdige Kulisse gewinnen.
Die Kleingruppen, in denen die Kinder und Jugendliche das Projektwochenende bestritten übernahmen dabei jeweils einen der Aufgabenbereiche, der sich auch später auf der Brücke des „Raumschiffes der Zukunft“ wiederfinden würde: Neben Piloten, Technikern und Wissenschaftlern waren es auch Mediziner oder Kommunikations-Spezialisten, in deren Rollen die Kinder und Jugendliche schlüpften und deren Bedürfnisse für gutes Teamwork sie auf der Brücke in die Gestaltung ihrer Konsolen einfließen lassen konnten. Ein besonderes Augenmerk fiel dabei auch darauf, wie die Konsolen später von den Kindern und Jugendlichen selbst bedient werden konnten, wie Schwientek berichtet: „Die Bedienelemente sind standardisiert; es gibt bunte leuchtende mechanische Knöpfe, Joysticks und Schieberegler, die vor allem für die jüngeren Kids wesentlich ansprechender sind. Besonders die Knöpfe haben den Vorteil, dass sie eine spürbare Rückmeldung beim Drücken geben.“
Nachdem im Laufe des Wochenendes die Kulisse in der Schachthalle des Förderturms immer weiter Gestalt angenommen hatte, stand am Sonntagnachmittag als besonderer Höhepunkt ein erster virtueller Testflug auf dem Programm, bei dem alle Kinder und Jugendlichen zeigen konnten, wie gut sie als Team die neu geschaffene Kulisse zum Leben erwecken und steuern konnten. Die von den Kindern und Jugendlichen selbst mitgeplante Reise führte sie zu den Grenzen des Sonnensystems, wo sie einen fernen Planeten erforschen und einen verunglückten Raumfahrer retten mussten. „Mit diesem Knopf können wir mit Wissenschaftlern Kontakt aufnehmen“, berichtet einer der jungen Teilnehmer seinen Eltern bei der abschließenden öffentlichen Präsentation der Projektergebnisse. Zu dieser waren neben der neben Bönens stellvertretender Bürgermeisterin Sabine Lutz-Kunz auch zahlreiche Eltern und Schaulustige zum Förderturm gekommen.
„Die Ergebnisse von RdZ werden in Anschlussprojekten weiter genutzt und auch weiterentwickelt. Die technische Komponente spielt dabei auch eine große Rolle für den in Zukunft geplanten stationären Ausbau an verschiedenen festen Standorten, die in Planung sind“, berichtet Björn Redemann, der als lokaler Beauftragter für den U.S.S. Vision e.V. im Kreis Unna bereits die Planungen für weitere Angebote ins Auge gefasst hat. Neben den alljährlichen Angeboten im Ferienprogramm des Treffpunktes Go-in in den Sommer- und Herbstferien wird der U.S.S. Vision e.V. auch Maxiperium-Science-Fiction-Event im Maxipark in Hamm (09.08.2026) sowie zum Weltkindertag in Unna (20.09.2026) an einem Stand spannende Aktionen anbieten.
